Ein Kommentar von Thomas Roßmann
Ein Elektrotraktor ist nicht automatisch die bessere Wahl
Viele landwirtschaftliche Betriebe erzeugen mit ihrer Photovoltaikanlage bereits einen Teil ihres eigenen Stroms. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an einen möglichst effizienten und emissionsarmen Maschinenpark. Da liegt der Gedanke nahe: Warum den eigenen PV-Strom nicht direkt für einen Elektrotraktor nutzen?
Die Idee ist grundsätzlich überzeugend. Sie ist aber kein Freifahrtschein für die Elektrifizierung des gesamten Fuhrparks. Aus meiner Sicht bietet der Xeevo E904i Elektrotraktor für bestimmte Anwendungen eine sinnvolle Alternative zum Dieseltraktor. Als klassischer Ackerschlepper für lange, schwere und schlecht planbare Einsätze wird er den Diesel jedoch nicht vollständig ablösen.
Seine Stärken spielt ein Elektrotraktor dort aus, wo drei Voraussetzungen zusammenkommen:
- die Einsatzzeiten sind planbar,
- eine passende Ladeinfrastruktur ist vorhanden oder lässt sich wirtschaftlich schaffen,
- und auf dem Betrieb steht möglichst eigener PV-Strom zur Verfügung.
Gerade für Betriebe mit Photovoltaikanlage kann daraus ein interessanter Ansatz für mehr Eigenverbrauch entstehen.
Was der Xeevo E904i technisch mitbringt
Der Xeevo E904i setzt auf ein elektrisches Antriebskonzept mit zwei unabhängig arbeitenden Elektromotoren. Nach den Angaben auf der Herstellerseite übernimmt ein Motor den Fahrantrieb, während der zweite Motor für Zapfwelle und Hydraulik zuständig ist.
Zu den wichtigsten Herstellerangaben gehören:
- zwei Elektromotoren mit jeweils 66 kW beziehungsweise 90 PS Nennleistung,
- eine maximale Systemleistung von 90 kW beziehungsweise 122 PS für bis zu 30 Sekunden,
- eine 105-kWh-LFP-Batterie,
- eine angegebene Einsatzzeit von bis zu sieben Stunden pro Akkuladung,
- DC-Laden über einen CCS2-Anschluss mit bis zu 120 kW,
- eine Ladezeit von etwa 36 Minuten von 20 auf 80 Prozent,
- eine unabhängig regelbare Zapfwelle mit 540 und 1.000 U/min,
- Allradantrieb,
- eine klimatisierte Kabine und vollelektrische Steuerung.
Die tatsächliche Einsatzdauer hängt natürlich von der Arbeit ab. Bodenbearbeitung unter hoher Dauerlast fordert die Batterie anders als Rangierarbeiten, Transportfahrten, Grünflächenpflege oder Arbeiten im Stall. Herstellerangaben zur möglichen Einsatzzeit sollten deshalb immer im Zusammenhang mit dem eigenen Arbeitsprofil betrachtet werden.
Mehr technische Daten finden Sie auf unserer Produktseite zum Xeevo E904i.
PV-Eigenverbrauch: Der entscheidende Vorteil liegt im passenden Einsatzprofil
Eine Photovoltaikanlage produziert den meisten Strom tagsüber. Genau dann sind viele Maschinen auf dem Betrieb ebenfalls im Einsatz. Ein Elektrotraktor kann den Eigenverbrauch erhöhen, wenn er nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßig in planbare Lade- und Arbeitsabläufe eingebunden wird.
Das kann zum Beispiel so aussehen:
- Der Xeevo übernimmt vormittags leichte bis mittlere Arbeiten auf dem Hof, im Stall, in der Direktvermarktung oder im kommunalen Umfeld.
- Während einer planbaren Pause wird die Batterie mit Strom aus der eigenen PV-Anlage oder über eine geeignete Ladeeinrichtung nachgeladen.
- Am Nachmittag wird der Traktor für weitere Aufgaben eingesetzt.
- Die Ladezeiten werden mit der tatsächlichen PV-Erzeugung und dem übrigen Strombedarf des Betriebs abgestimmt.
Damit wird der Elektrotraktor nicht einfach nur zu einem weiteren Stromverbraucher. Er kann Teil eines betrieblichen Energiesystems werden.
Wichtig ist aber: „Eigener PV-Strom“ bedeutet nicht automatisch, dass jede Kilowattstunde kostenlos zur Verfügung steht. Auch selbst erzeugter Strom hat einen wirtschaftlichen Wert. Wer ihn für den Traktor nutzt, speist ihn nicht ins Netz ein und verzichtet gegebenenfalls auf eine Einspeisevergütung. Für eine belastbare Rechnung müssen daher Stromerzeugung, Strompreis, Einspeisevergütung, Ladeverluste, Betriebsstunden und Dieselverbrauch miteinander verglichen werden.
Wann ein Elektrotraktor besonders gut passen kann
Planbare Hof- und Stallarbeiten
Aufgaben im Stall, auf dem Hof oder rund um die Betriebsgebäude lassen sich häufig gut planen. Kurze Wege und wiederkehrende Arbeitsabläufe sind für einen Elektrotraktor vorteilhaft, weil die Maschine regelmäßig zu einem bekannten Zeitpunkt an den Ladepunkt zurückkehrt.
Der emissionsfreie Antrieb kann außerdem in Bereichen interessant sein, in denen Abgase unerwünscht sind. Dazu gehören beispielsweise Stallungen, Gewächshäuser oder Arbeiten in unmittelbarer Nähe von Wohngebäuden.
Grünpflege und kommunale Aufgaben
Auch für Kommunen und Dienstleister kann der Xeevo E904i interessant sein. Bei der Pflege von Grünflächen, auf Friedhöfen, bei Arbeiten in Wohngebieten oder auf Betriebshöfen spielen geringe Geräuschemissionen und der lokal emissionsfreie Betrieb eine wichtige Rolle.
Bei solchen Einsätzen zählen nicht nur die PS-Zahl und die maximale Zugkraft. Entscheidend ist auch, ob die Maschine zuverlässig durch den Arbeitstag kommt, ob die Ladezeiten in den Betriebsablauf passen und ob die Ladeinfrastruktur am Bauhof oder Betriebshof ausreichend dimensioniert ist.
Arbeiten mit häufigem Anfahren und Rangieren
Elektromotoren können ihr Drehmoment unmittelbar bereitstellen. Das ist bei häufigem Anfahren, Rangieren und wechselnden Geschwindigkeiten ein praktischer Vorteil. Gerade dort, wo ein Dieseltraktor oft nur kurze Strecken fährt oder längere Zeit im Leerlauf läuft, kann der elektrische Antrieb seine Stärken zeigen.
Betriebe mit eigener PV-Anlage und planbaren Ladefenstern
Der interessanteste Fall ist aus meiner Sicht ein Betrieb, der bereits PV-Strom erzeugt und seine Maschineneinsätze gut organisieren kann. Je besser die Arbeitszeiten, die Ladefenster und die Solarstromerzeugung zusammenpassen, desto größer ist das Potenzial für einen hohen Eigenverbrauch.
Das gilt besonders dann, wenn der Traktor nicht jeden Tag über viele Stunden unter maximaler Last arbeiten muss, sondern ein vielseitiges Aufgabenprofil abdeckt.
Wo der Dieseltraktor weiterhin Vorteile hat
Ein Elektrotraktor ist kein direkter Ersatz für jeden Dieseltraktor. Bei langen, schweren und schlecht planbaren Einsätzen bleiben Reichweite, Tankvorgang und die hohe Energiedichte von Diesel wichtige Argumente.
Das betrifft zum Beispiel:
- lange Feldtage ohne verlässliche Ladepause,
- schwere Bodenbearbeitung über viele Stunden,
- weit entfernte Einsatzorte,
- wechselnde Arbeiten mit schwer kalkulierbarem Leistungsbedarf,
- Betriebe ohne geeigneten Netzanschluss oder Ladepunkt.
Auch die Ladeinfrastruktur darf nicht unterschätzt werden. Der Xeevo E904i kann laut Herstellerseite mit bis zu 120 kW Gleichstrom laden. Um diese Leistung zu erreichen muss der Betrieb eine passende Ladeeinrichtung sowie die erforderliche elektrische Anschlussleistung bereitstellen. Vor dem Kauf sollte daher geprüft werden, ob der vorhandene Netzanschluss, der Standort und das betriebliche Lastmanagement dafür geeignet sind. Sonst dauern die Ladestops wesentlich länger.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht: „Ersetzt der Elektrotraktor den Diesel?“ Die bessere Frage lautet: „Welche Aufgaben kann ein Elektrotraktor in meinem Betrieb zuverlässig übernehmen?“
Zwei Motoren für Fahrantrieb und Zapfwelle
Ein zentraler Punkt des Xeevo E904i ist die Trennung von Fahrantrieb und Arbeitsfunktion. Der Hersteller beschreibt zwei unabhängig arbeitende Elektromotoren. Dadurch sollen Fahrantrieb sowie Zapfwelle und Hydraulik getrennt mit Leistung versorgt werden.
Das ist für Arbeiten interessant, bei denen gleichzeitig Zugkraft und Zapfwellenleistung gefragt sind. Bei einem klassischen Traktor muss die Leistung eines Verbrennungsmotors über verschiedene Systeme verteilt werden. Beim Xeevo wird die elektrische Leistung von vornherein auf zwei Antriebe aufgeteilt.
Ob dieses Konzept für eine bestimmte Kombination aus Traktor und Anbaugerät wirklich passt, sollte nicht allein anhand einer technischen Beschreibung entschieden werden. Entscheidend ist die praktische Vorführung mit den Arbeiten, die im eigenen Betrieb regelmäßig anfallen.
Was kostet der Strom aus der eigenen PV-Anlage wirklich?
Für eine erste Einschätzung können Betriebe mit einer einfachen Vergleichsrechnung starten. Wichtig sind mindestens diese Werte:
- jährliche Betriebsstunden des Traktors,
- durchschnittlicher Energieverbrauch pro Arbeitsstunde,
- Stromkosten für Netzstrom,
- wirtschaftlicher Wert des eigenen PV-Stroms,
- mögliche Einspeisevergütung,
- Dieselverbrauch des bisherigen Traktors,
- aktueller Dieselpreis,
- Ladeverluste,
- Investitionskosten für Ladeinfrastruktur,
- Wartungs- und Finanzierungskosten.
Eine Beispielrechnung mit pauschalen Verbrauchswerten kann eine erste Orientierung geben, ersetzt aber keine individuelle Kalkulation. Der Stromverbrauch eines Elektrotraktors hängt ebenso wie der Dieselverbrauch von Last, Boden, Geschwindigkeit, Anbaugerät und Fahrweise ab.
Für die Praxis ist außerdem wichtig, ob der Traktor tatsächlich dann geladen werden kann, wenn PV-Strom verfügbar ist. Wer überwiegend früh morgens, nachts oder an langen Wintertagen arbeitet, kann den Solarstrom möglicherweise nur teilweise direkt nutzen. Ein Batteriespeicher, ein Energiemanagementsystem oder Netzstrom kann die Einsatzmöglichkeiten erweitern, verändert aber auch die Wirtschaftlichkeit.
Mein Fazit: Der Elektrotraktor ist eine Ergänzung, kein Universalersatz
Der Xeevo E904i Elektrotraktor ist aus meiner Sicht vor allem dann interessant, wenn sein Einsatzprofil zum elektrischen Antrieb passt. Dazu gehören planbare Arbeiten mit regelmäßigen Ladefenstern, kurze und mittlere Einsatzstrecken, Aufgaben in Stall, Hof, Gewächshaus und Grünpflege sowie kommunale Einsätze mit hohen Anforderungen an Geräuscharmut und lokale Emissionsfreiheit.
Für Landwirte mit eigener Photovoltaikanlage kann der Xeevo zusätzlich eine Möglichkeit sein, den Eigenverbrauch des erzeugten Stroms zu erhöhen. Das Potenzial ist besonders dann groß, wenn überschüssiger PV-Strom zeitlich mit den Ladefenstern des Traktors zusammenfällt.
Den Dieseltraktor als klassischen Ackerschlepper wird der Xeevo E904i meiner Einschätzung nach nicht kurzfristig ersetzen. Dafür sind lange, schwere und nicht planbare Einsätze zu unterschiedlich. Als gezielte Ergänzung im Maschinenpark kann ein Elektrotraktor aber sinnvoll sein – nicht aus Prinzip, sondern dort, wo Technik, Arbeitsablauf und Energieversorgung zusammenpassen.
Ist ein Elektrotraktor für Ihren Betrieb sinnvoll?
Sie möchten herausfinden, ob der Xeevo E904i zu Ihren Arbeiten und zu Ihrer Photovoltaikanlage passt? Dann sollten wir nicht nur über technische Daten sprechen. Entscheidend sind Ihre Betriebsstunden, die eingesetzten Anbaugeräte, die vorhandene Ladeinfrastruktur und die Frage, wann Ihr PV-Strom tatsächlich zur Verfügung steht.
Auf unserer Produktseite zum Xeevo E904i finden Sie weitere Informationen. Für eine persönliche Einschätzung, eine Beratung oder eine Probefahrt können Sie uns über die Kontaktseite erreichen.
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